Operation Shutdown: Not My Cup of Tea

Es ist soweit. Amerikas Regierung ist dicht. Zum ersten Mal seit 17 Jahren. Die Republikaner, bzw. die rechte Tea Party, also die Bösesten der Bösen, verweigern die Abstimmung zum neuen US-Haushalt, weil sie beleidigt sind und Obama Care nicht mögen. Weil die Gesundheitsreform (die ja mit der Haushaltsverabschiedung erstmal rein gar nichts zu tun hat) am sehr weit rechts gepflanzten Bäumchen ihrer individualistischen Grundeinstellung rüttelt, bis gleich dutzendweise konservative Träumchen herunterpurzeln.

tea-party

Die Tea Party nach dem vereinsinternen Beschluss, die Verabschiedung des US-Haushaltsplans zu vereiteln und für Obamas Gesundheitsreform grausame Rache zu üben.

Der government shutdown kann nun aber gravierende Konsequenzen haben – die Amerikaner können ihre Schulden, etwa an China, nicht zurückzahlen. Ich hoffe, das macht die zahlreichen Chinesen an der CMU nicht wütend. Mein chinesischer room mate sieht aber zur Zeit nicht sehr wütend aus. Er sitzt gerade am Schreibtisch gegenüber und zockt Online-Spiele gegen Freunde in seiner Heimat. Ich habe mit ihm noch keine politische Diskussion geführt. (Genau genommen, habe ich mit ihm noch gar keine Diskussion geführt. Und auch kein Gespräch. Er ist etwas verschlossen. Aber vielleicht brodelt es in ihm! Vielleicht spielt er Online-Spiele, weil er Angst vor Amerikas Zahlungsunfähigkeit hat und das verdrängen muss!)

Dennoch: China wird es nicht gut finden, wenn Amerika seine Schulden nicht abbezahlen kann. Und der Rest der Welt wird es auch nicht gut finden, wenn Amerika überhaupt gar nichts mehr zahlen kann. Möglich, dass die nächste Finanzkrise droht.

Eine viel unmittelbarere Auswirkung des government shutdowns ist momentan jedoch, dass bis auf essentiell wichtige Posten zur Zeit überhaupt keine federal employees mehr arbeiten. Sie haben unbezahlten Zwangsurlaub.

U.a. geschlossen sind auch National Parks und Monuments. Wer dieser Tage in Nationalparks oder vor einem Monument zu heiraten gedachte, ist nun gelackmeiert. In der TV-Show ‘Colbert Report’ hat gestern ein Paar vor einer Pappwand-Attrappe des Jefferson Memorial geheiratet. So weit ist es gekommen …

Und all das, weil die ****** Tea Party beim vereinsinternen Kaffeekränzchen beschlossen hat, dass ihnen Obamas Health Care nicht rechts genug ist. Sie behaupten, die Amerikaner wollten die Krankenversicherung für alle nicht. Seltsam nur, dass sämtliche Server am 1. Oktober (der erste Tag der Implementierung des neuen Gesetzes) unter der Wucht der Online-Anträge von Millionen Amerikanern zusammenbrachen. Und recht haben sie (die Amerikaner, nicht die Server): Die Reform ist doch ‘ne tolle Sache. Das einzig in der Tat in republikanischer Manier Verteufelnswerte daran ist der Name, ‘Obama Care’, und selbst das ist immer noch besser als die deutsche ‘Riester-Rente’.

Optimistisch stimmt, dass Anhänger extremer republikanischer Gruppen meist alt sind. In keiner Weise weise, aber sehr, sehr alt – sie haben George Washington in vielen Fällen noch persönlich gekannt –, und eines Tages werden sie dann wohl aber doch im konservativen Afterlife landen (da gibt’s keine gesetzliche Krankenversicherung) – und dann wird Amerika gegenüber einem gerechteren Gesundheitswesens toleranter sein. Und Lebensmittelkarten für Bedürftige werden dann auch weniger oft verteufelt. Und auch die homophoben Stimmen werden dann weniger.

Die Tendenz in die richtige Richtung ist ja schon da. Wären da nur nicht populäre Splittergruppen wie die Tea Party, die auch mal eben eine ganze Regierung lahm legen können. Die Entwicklung könnte für meinen Geschmack (ich stehe auf roten Hagebutten-Tee – welch knifflige Chiffre!) durchaus mal einen ordentlichen Zahn zulegen. Wie wär’s mal mit einer Rede von Giftzwerg Gregor Gysi im US-Senat? Und die Institution ‘Tea Party’ kann man getrost komplett in den Hafen von Boston kippen, bevor sie sich endlich von selbst auflöst.

Kleine-Suende-Tea-Party

Über das wahre Ausmaß der republikanischen Sünden lässt sich kaum streiten. Obige Darstellung ist allerdings definitiv ein wenig verharmlosend und allein dafür gedacht, den Beitrag visuell ein wenig aufzupeppen.

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